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Wir möchten Ihnen hier die sekundären Parkinson-Syndrome näherbringen und Sie über die konkreten Symptome, möglichen Ursachen und Therapien informieren.
Ein sekundäres Parkinson-Syndrom weist die gleichen Symptome der Erkrankung Morbus Parkinson auf, wie zum Beispiel Bewegungsarmut (Bradykinese), Zittern (Tremor) oder Muskelsteifigkeit (Rigor). Der Unterschied zum klinischen Parkinson besteht aber darin, dass der Dopaminmangel im Gehirn beim sekundären Parkinson-Syndrom (symptomatisches Parkinson-Syndrom) meist nicht durch das Absterben der Dopamin-produzierenden Nervenzellen hervorgerufen wird, sondern durch andere Störquellen.
Bislang wurde Morbus Parkinson auch als idiopathisches Parkinson-Syndrom oder primäres Parkinson-Syndrom bezeichnet. Laut den neuen offiziellen Leitlinien soll die Bezeichnung idiopathisch (unbekannte Ursache) aber nicht mehr verwendet werden, da mehrere Ursachen der Erkrankung mittlerweile schon bekannt sind.
Beim sekundären Parkinson-Syndrom (oder auch sekundären Parkinson-Syndromen) sind die Bewegungsstörungen wie das Zittern oder die Muskelsteifheit tendenziell eher nur auf einer Körperseite ausgeprägt. Beim primären Parkinson-Syndrom, der eigentlichen Parkinson-Krankheit, hingegen sind sie es im weiteren Verlauf auf beiden Körperseiten. Das Zittern zum Beispiel tritt hier in späteren Stadien an beiden Armen auf. Der Tremor kann beim sekundären Parkinson-Syndrom aber auch ganz ausbleiben oder deutlich schwächer ausgeprägt sein.
Werden diese Patient:innen mit dem Parkinson-Medikament mit Levodopa behandelt, ist die Wirkung eben nicht jene symptomlindernde, die man vom echten Parkinson her kennt. Denn sie fällt entweder deutlich geringer aus oder tritt erst gar nicht ein.
Sekundäre Parkinson-Syndrome haben gemeinsam, dass sie die ganze Vielfalt an motorischen und nicht-motorischen Symptomen eines klassischen Dopaminmangels zeigen können – eben so, wie er sich auch bei Parkinson-Patienten in der Regel bemerkbar macht:
Im Gehirn von Patient:innen mit einem sekundären Parkinson-Syndrom kommt es zu einem Dopaminmangel, der unter anderem durch neurologische Erkrankungen, Toxine oder auch Medikamente ausgelöst werden kann.
Bestimmte Medikamente können das verfügbare Dopamin im Gehirn verringern, indem sie die Aufnahme des Dopamins durch die Dopamin-Rezeptoren und damit dessen Wirkung hemmen (medikamentöses Parkinson-Syndrom). Beispiele für Dopamin-hemmende Medikamente sind Antipsychotika wie Chlorpromazin oder Haloperidol, Mittel gegen bipolare Störungen (Lithium oder Valproinsäure), Medikamente gegen Übelkeit (z. B. Metoclopramid) sowie Kalziumantagonisten zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck.
Einige Erkrankungen können ebenfalls eine hemmende Auswirkung auf den Dopamin-Haushalt haben. Dazu gehören:
Veränderungen im Dopamin-Spiegel können auch durch toxisch wirkende Substanzen ausgelöst werden (toxisches Parkinson-Syndrom). So sind Parkinson-Symptome möglich, wenn es zu einer Vergiftung durch Kohlenmonoxid oder dem Schwermetall Mangan gekommen ist. Von einer Manganvergiftung sind besonders Schweißer oder Beschäftigte im Bergbau betroffen. Auch Menschen mit Drogenproblemen (vor allem Crack, Crystal Meth) können sich beim Rauchen dieser Substanzen eine Manganvergiftung zuziehen.
Darüber hinaus hat die Chemikalie MPTP (1-Methyl-4-Phenyl-1,2,5,6-Tetrahydropyridin) das Potenzial, Dopamin-produzierende Nervenzellen zu zerstören und einen Dopaminmangel samt motorischer Störungen auszulösen. Diese Chemikalie kommt natürlich nicht vor, sondern wird als Nebenprodukt bei der Herstellung von Heroin frei. Sie führte in den 1980er Jahren zu schwerwiegenden Problemen im Zusammenhang mit einer Heroin-Abhängigkeit.
Wird das Gehirn infolge eines Unfalls verletzt, können die Hirnschäden auch die Region betreffen, die unsere Bewegungen steuert (Substantia nigra und Basalganglien). Dann kann dem Gehirn unter Umständen auch nicht mehr genügend Dopamin zur Verfügung gestellt werden.
Was ist der Unterschied zu atypischen Parkinson-Syndromen? Das sekundäre Parkinson-Syndrom unterscheidet sich von den atypischen Parkinson-Syndromen durch die Ursache. Beim ersteren gibt es externe Faktoren oder bestimmte Erkrankungen wie Mini-Schlaganfälle im Gehirn, die zu den Symptomen führen. Beim atypischen Parkinson-Syndrom hingegen liegt immer eine neurodegenerative Erkrankung zugrunde (außer der “echte” Parkinson), die ähnliche Symptome wie Parkinson mit sich bringen, aber meist schneller voranschreiten. Beispiele für atypische Parkinson-Syndrome sind: Lewy-Körperchen-Demenz Progressive supranukleäre Blickparese (Augenbewegungsstörungen) Multisystematrophie (MSA) Kortikobasales Syndrom (CBS)
Das sekundäre Parkinson-Syndrom unterscheidet sich von den atypischen Parkinson-Syndromen durch die Ursache. Beim ersteren gibt es externe Faktoren oder bestimmte Erkrankungen wie Mini-Schlaganfälle im Gehirn, die zu den Symptomen führen. Beim atypischen Parkinson-Syndrom hingegen liegt immer eine neurodegenerative Erkrankung zugrunde (außer der “echte” Parkinson), die ähnliche Symptome wie Parkinson mit sich bringen, aber meist schneller voranschreiten. Beispiele für atypische Parkinson-Syndrome sind:
Die Diagnose eines sekundären Parkinson-Syndroms ist nicht einfach, weil es verschiedene Ursachen geben kann. Daher müssen sich spezialisierte Fachärzt:innen – das ist in der Regel ein Neurologe oder eine Neurologin – auf die Suche begeben, was die motorischen und auch die anderen Beschwerden des Patienten auslösen könnte. Zunächst muss ein echter Parkinson ausgeschlossen werden. Dies kann zum Beispiel ein L-Dopa-Test leisten. Sprechen Patient:innen gut auf das Parkinson-Medikament Levodopa an, handelt es sich um den echten Morbus Parkinson, nicht um ein sekundäres Parkinson-Syndrom.
Der Arzt oder die Ärztin wird sich in einem ausführlichen Gespräch unter anderem nach eingenommenen Medikamenten erkundigen, die das sekundäre Parkinson-Syndrom auslösen könnten und hier Veränderungen (anderes Medikament verschreiben) vornehmen. Bildgebende Verfahren wie eine MRT (Magnetresonanz-Tomografie) oder eine CT (Computertomografie) können eingesetzt werden, um etwa Tumoren auszuschließen, Veränderungen in Blutgefäßen (vaskuläres Parkinson-Syndrom) oder Verletzungen im Gehirn zu erkennen. Blut- und Urintests helfen dabei, Toxine wie Mangan oder andere Schwermetalle wie Quecksilber aufzuspüren.
In einer DAT-Scan (Dopamin-Transporter-Szintigrafie) können Ärzt:innen herausfinden, ob im Gehirn eines Patienten oder einer Patientin weniger Dopamin transportiert wird, was für die Parkinson-Erkrankung sprechen würde oder ob der Scan hier keine Veränderungen aufweist, was für ein sekundäres Parkinson-Syndrom typisch ist. Denn beim sekundären Parkinson-Syndrom wird meist zwar ausreichend Dopamin in der schwarzen Substanz produziert, es kann nur nicht seine Wirkung vollständig entfalten, weil der Dopaminstoffwechsel an anderer Stelle gestört ist. Mit dem DAT-Scan können auch Blutgefäßverengungen (Mikroinfarkte) festgestellt werden.
Sind sekundäre Parkinson-Syndrome heilbar? Diese Frage beschäftigt Menschen, die eine Diagnose aus diesem Krankheitsfeld bekommen. Die Antwort auf die Frage ist jedoch davon abhängig, welche konkrete Ursache im Einzelfall vorliegt.
Bei Kopfverletzungen infolge eines schweren Unfalls oder von wiederholten Schlägen auf den Kopf, wie sie häufig beim Boxen auftreten, ist eine komplette Heilung der verletzten Hirnbereiche nicht möglich. Denn dann sind unter Umständen die Basalganglien und auch die Dopamin-produzierenden Nervenzellen der Substantia nigra zu stark geschädigt oder es ist zu Problemen in den Blutgefäßen mit Durchblutungsstörungen gekommen. Es ist aber unter Umständen möglich, die Bewegungsprobleme mit einer Kombination verschiedener Parkinson-Medikamente zu lindern und zusammen mit anderen geeigneten Maßnahmen wie zum Beispiel Physiotherapie auch einer weiteren Verschlechterung des Zustands vorzubeugen.
Stellt sich heraus, dass der sekundäre Parkinson durch ein Medikament ausgelöst wurde, wird der Arzt die Dosis reduzieren oder ein anderes Medikament verschreiben und das Symptom-auslösende Medikament ganz absetzen. Dann liegt eine Heilung von den Parkinson-Symptomen durchaus im Bereich des Möglichen. Wird beispielsweise ein Antipsychotikum durch Clozapin ersetzt, können viele Betroffene innerhalb von Wochen oder Monaten einen Rückgang ihrer Bewegungseinschränkungen, ihres erhöhten Muskeltonus oder ihres Zitterns an sich bemerken.
Bei Gefäßverengungen im motorischen Zentrum des Gehirns, die Durchblutungsstörungen mit sich bringen oder auch bereits zu kleinen Infarkten geführt haben, ist eine komplette Heilung des Parkinson-Syndroms meist nicht möglich. Denn hier sind bereits die Blutgefäße zu stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine Linderung der Symptome kann aber durch Medikamente wie Blutverdünner, Blutdruck- und Cholesterinsenker bewirkt werden, um die Durchblutung zu verbessern oder zumindest nicht noch weiter zu verschlechtern.
Auch regelmäßige Bewegung und Sport sowie eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, gesunden Ölen (Omega-3-Fettsäuren) und wenig rotem Fleisch sowie ein Rauchstopp bei Raucher:innen können dabei helfen, die Gefäßdurchblutung zu optimieren.
Sind giftig wirkende Substanzen der Grund für ein sekundäres Parkinson-Syndrom, müssen diese identifiziert und aus dem Leben des Betroffenen entfernt werden beziehungsweise müssen Betroffene besser davor geschützt werden. Es sind auch Maßnahmen zu ergreifen, um die verbliebenen Nervenzellen zu schützen und so einen weiteren Verlust zu verhindern. Daneben könnten bestimmte Wirkstoffe (sogenannte Chelate) den Körper dabei unterstützen, Schwermetalle schneller aus dem Körper zu befördern.
Um Bewegungen wieder sicherer und runder zu machen, sind Physiotherapie und Ergotherapie in der Regel eine Hilfe für die Betroffenen. Schwere Vergiftungen, bei denen bereits viele Nervenzellen geschädigt wurden, wie bei einer Vergiftung mit MPTP-kontaminierten Drogen oder infolge von Laborunfällen, können oft nicht rückgängig gemacht werden.
Entsteht im Gehirn zu viel Gehirnwasser (Normaldruckhydrozephalus), kann dies Parkinson-ähnliche Beschwerden verursachen. Behandelt wird diese Erkrankung zum Beispiel durch einen Ablass von Hirnwasser sowie einer Operation. Findet die Therapie rechtzeitig statt, im ersten Jahr nach Beginn der Symptome, stehen die Chancen auf Heilung gut.
Bei der Kupferspeicherkrankheit wird das Spurenelement Kupfer aufgrund eines Gendefekts im Körper nicht richtig abgebaut und reichert sich etwa in der Leber an. Das hat eine toxische Wirkung – wird der Morbus Wilson frühzeitig erkannt und medikamentös behandelt, sind die Prognosen allerdings gut. Im Mittelpunkt der Therapie stehen einerseits die Ausleitung des überschüssigen Kupfers im Körper sowie die Hemmung der Aufnahme von über die Nahrung zugeführtem Kupfer im Darm.
Die Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) tritt auf, weil ein Mangel an Schilddrüsenhormonen zu einem langsameren Gehirnstoffwechsel führt. Dies hat zur Folge, dass das Dopamin nicht mehr so wirkt wie gewohnt. In der Therapie setzen Ärzt:innen auf die Regulierung der Schilddrüsenhormone. Stabilisiert sich der Haushalt der Schilddrüsenhormone wieder, gehen die Parkinson-ähnlichen Symptome meist innerhalb mehrerer Wochen zurück.
Je nachdem, ob Bakterien oder Viren die Entzündung des Gehirns verursacht haben, wird entweder mit einem Antibiotikum oder einem antiviralen Medikament behandelt. Daneben ist es möglich, die motorischen Symptome mit verschiedenen Parkinson-Medikamenten sowie Physiotherapie und Ergotherapie zu lindern.
Verursacht ein Tumor das Parkinson-Syndrom, wird dieser entweder operativ entfernt oder wenn dies nicht möglich oder angezeigt ist, mit einer Strahlentherapie behandelt. Auch eine Chemotherapie kann zum Einsatz kommen, wenn es im Einzelfall angezeigt ist