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Verstopfung bei Parkinson: Ursachen, Therapie, Ernährungstipps
Wir wollen Ihnen hier erläutern, welche Ursachen die Verstopfung (Obstipation) bei Parkinson haben kann, welche Behandlungen Ärzt:innen empfehlen und mit welchen Selbsthilfemaßnahmen Sie selbst gegensteuern können.
Welche Symptome zeigen sich bei Parkinson-bedingter Verstopfung?
Die Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (Bewegungsfähigkeit) beschreibt die Verstopfung, die bei Parkinson-Patient:innen oft eine chronische Verstopfung übergeht, als eine gestörte Darmentleerung, die nur ein- oder zweimal pro Woche stattfindet und länger als drei Monate andauert. Sie geht mit mindestens zwei der folgenden Symptome einher:
- Harter und klumpiger Stuhl
- Heftiges Pressen bei der Entleerung des Darms
- Das Gefühl, dass die Darmentleerung nicht vollständig erfolgt ist
ODER: Betroffene setzen bereits bei mindestens jedem vierten Stuhlgang einleitende Maßnahmen ein, sogenannte Einläufe.
Wie häufig kommt Verstopfung bei Parkinson vor?
Mit einer zeitaufwendigen und anstrengenden Darmentleerung müssen sich viele Parkinson-Patienten und -Patientinnen auseinandersetzen. Laut Untersuchungen plagt dieses Verdauungsproblem etwa 25 Prozent der Menschen bereits vor der Diagnose oder zur Zeit der Diagnosestellung. Im Verlauf der Erkrankung, also wenn die Diagnose bereits gestellt wurde, klettert der Anteil der Betroffenen dann auf bis zu 75 oder gar 80 Prozent.
Was kann ich gegen Verstopfung bei Parkinson tun?
Sie leiden noch nicht lange an Verstopfung? Und zum Glück sind die Beschwerden auch nicht stark ausgeprägt? Dann können Sie als erste Maßnahme selbst schnell etwas gegen die träge Verdauung unternehmen. Wir geben Ihnen hier zunächst einen Überblick über leicht umsetzbare und oftmals effektive verdauungsfördernde Maßnahmen:
- Ballaststoffreiche Lebensmittel verzehren
- “Stopfende” Lebensmittel reduzieren oder meiden
- Probiotische Lebensmittel essen oder Probiotika nehmen
- Reichlich Flüssigkeit trinken
- Mehr Bewegung und Sport in den Alltag integrieren
Ballaststoffreiche Lebensmittel weichen Stuhl auf
Ballaststoffe heißen Ballaststoffe, weil man früher nicht wusste, dass die überwiegend unverdaulichen Pflanzenfasern auch Vorteile mit sich bringen. Inzwischen hat die Forschung aber herausgefunden, dass Ballaststoffe, in der Hauptsache Kohlenhydrate, unserer Gesundheit sehr zuträglich sein können. Vor allem unsere Verdauung profitiert davon. Zwar gelangen die Pflanzenfasern unverdaut in den Dickdarm, doch da sie reichlich Wasser aufnehmen können und dabei aufquellen, tragen sie dazu bei, den Stuhl geschmeidiger zu machen. Somit gleitet er besser und kann im Idealfall leichter ausgeschieden werden.
Gleichsam beschleunigt sich durch die Pflanzenfasern häufig die Passage durch den Darm, denn der Stuhl nimmt durch die aufgequollenen Pflanzenfasern an Volumen zu. Dies erhöht den Druck auf die Darmwand, was wiederum die Bewegung des Darms stimuliert. Dadurch kann der Inhalt schneller transportiert werden. Und eine verringerte Aufenthaltsdauer im Darm bedeutet, dass dem Stuhl weniger Wasser entzogen werden kann.
Liste mit Lebensmitteln, die relevante Mengen an Ballaststoffen enthalten:
- Vollkornprodukte wie Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Naturreis
- Weizenkleie
- Hülsenfrüchte wie Linsen, (dicke) Bohnen, Kichererbsen
- Obst wie Aprikosen, Pflaumen, ungeschälte Äpfel oder Birnen, Bananen, Beeren
- Gemüse wie Schwarzwurzeln, Artischocken, Knoblauch, Zwiebeln, Paprika, Möhren, Brokkoli
- Salat wie Chicorée
- Pilze wie Steinpilze, Pfifferlinge
- Nüsse
- Leinsamen, Flohsamenschalen
Laut der Deutschen Parkinson Vereinigung sieht eine empfehlenswerte Ballaststoffzufuhr bei Verstopfung anhand eines konkreten Beispiels so aus: Sie essen an einem Tag zum Beispiel zwei Scheiben Vollkornbrot, drei Kartoffeln, einen ungeschälten Apfel, eine ungeschälte Birne, etwa 200 Gramm Brokkoli sowie einen kleinen Tomatensalat. Damit haben Sie die täglich empfohlene Menge Ballaststoffe von 35 Gramm aufgenommen.
Ballaststoffe fördern unsere Darmgesundheit
Gerade die Ballaststoffe Inulin und Oligofruktose (sogenannte Präbiotika) werden von den gesundheitsfördernden Bakterien in unserem Dickdarm sehnlich erwartet. Denn einige dieser Bakterien “ernähren” sich von ihnen und stellen daraus für uns essenzielle Fettsäuren wie Buttersäure her. Diese Substanz brauchen wir für eine gesunde Darmschleimhaut, die in der Lage ist, Krankheitserreger oder Giftstoffe abzuwehren.
Denn ist nicht ausreichend Buttersäure vorhanden, verändert sich unsere Darmschleimhaut und das Risiko für Entzündungen, Allergien und viele andere Erkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen steigt. Wir brauchen also die Ballaststoffe, die unseren Darmbakterien als Nahrung dienen, damit sie gut wachsen und sich vermehren können.
Weißbrot, Alkohol und Zucker machen den Darm träge
Wenn Sie sich im Alltag mit Verstopfung herumärgern müssen, sollten Sie in puncto Kochen auf frische und vollwertige Lebensmittel setzen. Denn mit einer gesunden Ernährung führen Sie Ihrem Darm eine Extraportion verdauungsfördernder Ballaststoffe zu. Verzichten Sie weitgehend auf Süßwaren, Fertiggerichte und Produkte aus Weißmehl wie weißem Brot oder hellen Nudeln. Denn diese Nahrungsmittel liefern Ihnen kaum Ballaststoffe. Auch Milchprodukte und rotes Fleisch bringen Ihre Verdauung nicht gerade in Schwung, sondern machen den Darm eher träge und müde. Gleiches gilt für fettreiche Speisen. Meiden Sie weiterhin Alkohol, denn Wein, Sekt und Co. haben die große Schwäche, dass sie dem Körper Wasser entziehen. Ähnlich sieht es mit salzreichem Essen aus, das ebenfalls den Wasserhaushalt verringert und den Stuhl verhärtet. Reduzieren Sie also Salz in Ihrer Ernährung.
Probiotika und probiotische Lebensmittel fördern Stuhlgang
Probiotika sind Arzneimittel mit ausgewählten Mikroorganismen, die in unserem Darm leben und hier wichtige Aufgaben übernehmen und unsere Gesundheit insgesamt stärken können. Wichtige Vertreter sind etwa die Gruppe der Milchsäurebakterien oder spezielle Arten Hefe. Auch bestimmte Lebensmittel enthalten von Natur aus probiotische Mikroorganismen, die unserem Darm nützen. Sie werden probiotische Lebensmittel genannt.
Wissenschaftler der Capital Medical University in Peking konnten in einer Studie aus dem Jahr 2023 zeigen, dass ein Probiotikum mit vielen verschiedenen Keimen den beteiligten Parkinson-Patient:innen mit Verstopfung dabei helfen konnte, den Darm leichter und zugleich auch häufiger zu entleeren, als es zuvor der Fall gewesen war.
Um die Darmflora zu stärken, können Sie auch vermehrt zu probiotischen Lebensmitteln greifen, denn darin befinden sich als Folge der Fermentation (Milchsäuregärung) ebenfalls reichlich gute Mikroorganismen:
- Naturjoghurt
- Kefir
- Buttermilch
- Frisches Sauerkraut (ohne Essig)
- Frische (selbst eingelegte) Salzgurken
Viel trinken wirkt trägem Darm entgegen
Damit die Ballaststoffe ihre Stuhl aufweichende Wirkung entfalten können, ist es wichtig, dass Sie über den Tag verteilt mehr trinken als üblich. Denn die Pflanzenfasern benötigen Wasser, um aufzuquellen und den harten Stuhl geschmeidiger zu machen. Trinken Sie dafür etwa zwei bis zweieinhalb Liter Wasser oder ungesüßte Kräutertees täglich. Auch eine Tasse Kaffee kann, was das Thema “Verdauung anregen” angeht, Wunder wirken.
Sport und Bewegung können Darmaktivität anregen
Bewegung und Sport haben den Ruf, unsere Verdauung anzuregen. Und das können Studien auch bestätigen. Laut einer Meta-Analyse, die 2021 erschienen ist, scheint vor allem regelmäßiges Ausdauertraining gute Resultate bei Verstopfung vorzuweisen. In den darin ausgewerteten Studien wurde wöchentlich zwischen einer und sieben Stunden trainiert – vier bis 24 Wochen lang. Etwa 50 Prozent der Proband:innen konnten von einer verbesserten Verdauung profitieren. Wenn Sie sich täglich eine halbe Stunde bewegen, kann das Ihrer Verdauung schon guttun. Gehen Sie zum Beispiel tanzen, spielen Sie Tischtennis oder joggen Sie eine Runde. Auch Radeln, Aquafitness oder Nordic Walking ist effektiv, ebenso sehr schnelles Spazierengehen.
Wann ist es ratsam, zum Arzt oder zu einer Ärztin zu gehen?
Wenn Sie erst seit kurzem an Verstopfung leiden, können Sie zunächst versuchen, mit Maßnahmen wie einer Ernährungsumstellung, viel trinken und mehr Bewegung die Verstopfung zu lösen. Bringen Sie diese Dinge nicht weiter oder ist die Verstopfung bei Ihnen bereits chronisch und stark ausgeprägt, ist der Gang zum Arzt der richtige Weg. Denn bei einem großen Leidensdruck muss schnelle Hilfe in Form effektiver Medikamente her. Dennoch sollten Sie Faktoren wie tägliche Bewegung und eine ballaststoffreiche Ernährung auch mit Medikamenten nicht aus dem Auge verlieren. Wichtig: Ehe Sie ein Abführmittel einsetzen, besprechen Sie die Anwendung bitte zunächst mit Ihrem Neurologen oder Ihrer Neurologin.
Wie sieht eine Behandlung bei Verstopfung durch Parkinson aus?
Helfen Ihnen die sanften Mittel nicht dabei, die Verstopfung zu lösen, können Medikamente (sogenannte Laxanzien) stimulierend auf den Magen-Darm-Trakt einwirken. Ärzt:innen empfehlen den Griff zu Medikamenten, wenn der Stuhlgang länger als fünf Tage auf sich warten lässt. Dann können folgende abführend wirkende Medikamente zum Einsatz kommen:
- Osmotische Abführmittel: Dazu gehören Glaubersalz, Bittersalz, Lactulose oder Macrogol. Diese Mittel lösen die Verstopfung, indem sie Wasser aus der Darmwand abziehen und dem Darminhalt zur Verfügung stellen. Dadurch nimmt das Stuhlvolumen zu, der Stuhl wird weicher und gleitet besser.
- Hydragoge (“wasserziehend”) Abführmittel: Zu dieser Art medikamentöser Abführhilfen zählen die Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat. Diese Medikamente bewirken, dass die Darmmuskulatur mobiler wird und die Darmbewegungen zunehmen. Daneben sorgen auch sie letztlich für einen höheren Wassergehalt im Stuhl.
- Prokinetika: Medikamente mit dem Wirkstoff Prucaloprid steigern die Darmmotilität, der Darm wird aktiver, wodurch der Stuhl den Darm schneller passiert.
- Gasbildende Abführmittel: Wirkstoffe wie Natriumhydrogencarbonat (als Zäpfchen oder Rektallösung für einen Einlauf verabreicht) führen zur Freisetzung des Gases Kohlendioxid im Darm. Es sorgt dort für ein größeres Stuhlvolumen und verstärkt den Druck auf die Darmwand. So beschleunigt sich in der Regel der Weitertransport des Darminhalts.
Wirken die Parkinson-Medikamente mit einem Abführmittel noch?
Wenn Sie Abführmittel einsetzen, die den Darm in seiner Aktivität anregen, dann kann es sein, dass zum Beispiel das Parkinson-Medikament Levodopa (L-Dopa) im Dünndarm nicht ausreichend aufgenommen wird und es auch nicht seine entsprechende Wirkung zeigt. Denn dann wird der Darminhalt durch das Abführmittel zu schnell weitertransportiert. Lassen Sie sich als orales Medikament besser Macrogol verschreiben als Prokinetika, da diese die Darmbewegungen zu sehr anregen.
Sie können auch Zäpfchen mit einem abführenden Wirkstoff (z. B. mit Bisacodyl) oder Mini-Einläufe (Klistiere) mit einer Lösung (z. B. auf Salzbasis) verwenden. Denn auf diese Art wird die Wirkung Ihrer Parkinson-Medikamente ganz sicher nicht beeinträchtigt.
Einläufe bringen Linderung der Beschwerden
Neben der medikamentösen Therapie setzen viele Parkinson-Patienten und -Patientinnen bei anhaltender Verstopfung auf Einläufe. Dabei wird mithilfe eines speziellen Gerätes, etwa mit einem Klistier Flüssigkeit (mit Laxanzien) in den Enddarm eingeleitet, um den verhärteten Stuhl dort aufzuweichen und somit einen Stuhldrang und Stuhlgang auszulösen.
Einsatz von Anticholinergika überdenken
Anticholinergika sind Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson-Patient:innen eingesetzt werden, jedoch einen harten Stuhl direkt als Nebenwirkung auslösen oder weiter verstärken können. Ihr Neurologe oder Ihre Neurologin könnte bei starken Problemen entsprechende Veränderungen vornehmen, entweder indem die Dosis reduziert oder das Medikament ganz abgesetzt beziehungsweise gegen ein anderes ausgetauscht wird.
Zwei Wirkstoffe überzeugen auch in Studien in Obstipation-Therapie
Die Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat konnten in zwei verschiedenen Studien überzeugen, sowohl was ihre gute Verträglichkeit angeht als auch, was ihre zuverlässige Wirkung betrifft. Mit Bisacodyl erfolgte der Stuhlgang bei rund 90 Prozent der Parkinson-Erkrankten mit Verstopfung innerhalb von 24 Stunden. Bei Einnahme von Natriumpicosulfat konnten etwa 80 Prozent der Menschen ihr großes Geschäft binnen eines Tages erledigen.
Was sind die Ursachen für Verstopfung bei Parkinson?
Als Ursache der Verstopfung bei Parkinson kommen häufig verschiedene Aspekte zusammen. Neben den Hirnarealen, die unsere Bewegungen steuern, wird auch das autonome Nervensystem durch die Parkinson-Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen, was sich in Verdauungsstörungen zeigen kann. Weiterhin können eine faserarme Kost, Bewegungsmangel, eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr oder manche Parkinson-Medikamente zu Verstopfung führen.
Absterben der dopaminergen Zellen im Darm fördert Darmträgheit
Wissenschaftler:innen vermuten aktuell, dass die Parkinson-Erkrankung ihren Beginn möglicherweise im Darm hat. Denn auch im Darm, dem Hauptsitz unseres enterischen Nervensystems, das unsere Darmbewegungen steuert, kommt es zu einem vermehrten Absterben Dopamin-bildender Nervenzellen. Denn auch hier hat sich zuvor – wie im Gehirn – das Protein Alpha-Synuclein in betroffenen Nervenzellen falsch gefaltet und sich angereichert, was nun nach und nach zum Untergang jener Zellen führt. Dies zieht nach sich, dass die Muskeln des Darms nicht mehr so gut arbeiten, dass die Bewegungen des Darms nicht ausreichend intensiv sind oder nicht oft genug einsetzen.
Absterben von Hirnzellen schwächt Beweglichkeit vieler Muskeln
Bei der Parkinson-Erkrankung entwickeln Betroffene Bewegungsprobleme wie Zittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) und Bewegungsverlangsamung (Bradykinese). Die Ursache dafür liegt in einem schnelleren Absterben der Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der schwarzen Substanz (Substantia nigra), einem Bereich im Mittelhirn. Der so entstehende Dopaminmangel bewirkt zum Beispiel, dass Bewegungen von Armen oder Beinen nicht mehr so schnell oder koordiniert ausgeführt werden können. Dies hat meist auch Auswirkungen auf andere Muskeln, wie die des Beckenbodens. Ist die Beweglichkeit von Muskeln in unmittelbarer Nachbarschaft zum Darm eingeschränkt, sind Beschwerden wie Verstopfung wahrscheinlicher.