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Wir möchten Ihnen an dieser Stelle die spezielle Kampfkunst Tai-Chi näher vorstellen und Sie darüber informieren, was die Meditation in Bewegung so besonders macht und warum sie gerade bei der Parkinson-Krankheit oft so gut wirkt.
Tai-Chi ist eine meditative Bewegungsform, die ihren Ursprung in China hat. Das Typische daran: Bewegungen werden hier besonders langsam, fließend und mit hoher Präzision ausgeführt. Das Ziel ist, Geist, Gefühle und Körper in Harmonie zu bringen. Ursprünglich wurde die “Meditation in Bewegung” im chinesischen Kaiserreich als Kampfsportart entwickelt. Daher rührt auch die alternative Bezeichnung Schattenboxen. Doch der Kampf-Charakter ist über die Zeit immer mehr in den Hintergrund getreten. Heute stehen mehr die meditativen, stresslindernden und gesundheitsfördernden Aspekte beim Tai-Chi im Vordergrund.
Nicht nur Tai-Chi-Praktizierende berichten von deutlichen Verbesserungen ihrer Parkinson-Beschwerden, wenn sie regelmäßig und mehrmals die Woche trainieren. Auch erste Studien aus China und der USA liefern Hinweise darauf, dass die Bewegungsform mit deutlichen Vorteilen für Parkinson-Betroffene einhergehen kann, wenn Sie Tai-Chi zweimal pro Woche für jeweils eine Stunde trainieren. Folgende Effekte sind in Bezug auf Parkinson-Symptome möglich:
Sie verbessern mit Tai-Chi Ihre Chancen, dass die Parkinson-bedingten motorischen Störungen zurückgehen und Sie so Ihr Leben wieder mehr genießen können. Patientinnen und Patienten einer chinesischen Studie gelang es, mit regelmäßigem Tai-Chi-Training, wieder größere Schritte zu machen, schneller zu gehen und in ihren Bewegungen flexibler zu werden. Somit kann Tai-Chi Sie darin unterstützen, den typischen Parkinson-Symptomen wie Bewegungsverlangsamung (Bradykinese) und Muskelsteifigkeit (Rigor) entgegenzuwirken.
In Studien zeigte sich auch, dass Parkinson-Betroffene durch regelmäßiges Tai-Chi-Training wieder eine aufrechtere Haltung annahmen. Denn die Bewegungsfolgen wirken in Kombination mit der Atmung nicht nur einer gebeugten Haltung entgegen, sondern können auch für mehr Aufrichtung beim Gehen sorgen.
Tai-Chi kann Ihnen auch dabei helfen, dass Ihr Körper an Stabilität gewinnt und Sie Ihr Gleichgewicht wieder besser halten können. So nahmen in der Studie die Parkinson-bedingten Gangunsicherheiten und die Haltungsinstabilität (posturale Instabilität) ab. Die Proband:innen wurden beim Gehen wieder deutlich sicherer. Der stabilisierende Effekt und die bessere Körperkontrolle hatten in der Studie zur Folge, dass die Teilnehmer:innen seltener stürzten und sich somit auch nicht so häufig verletzten wie Menschen, die nicht trainierten.
Darüber hinaus fanden Forscher:innen heraus, dass sich die Parkinson-Symptome bei Menschen mit Tai-Chi-Training nach etwa drei Jahren weniger verschlechtert hatten als es in der Kontrollgruppe der Fall war, in der nicht regelmäßig Tai-Chi praktiziert wurde. Auch mussten spezielle therapeutische Parkinson-Maßnahmen erst später begonnen werden, weil die Beeinträchtigungen noch nicht so stark ausgeprägt waren.
Wenn Sie über mehrere Jahre hinweg regelmäßig Tai-Chi trainieren, verbessern Sie Ihre Chancen, noch länger Ihren Job ausüben können. Dies belegte eine Studie. Daneben kamen die Forscher:innen darin zu dem Schluss, dass die Teilnehmer:innen mit Tai-Chi-Training in ihrem Alltag länger selbstständig blieben als die ohne Tai-Chi-Praxis. Diese Patient:innen mussten bereits früher Unterstützung im Alltag annehmen.
Sie können mit Tai-Chi wahrscheinlich von einer besseren Fitness profitieren. Denn bei den Teilnehmer:innen einer US-Studie war dies der Fall. Sowohl Ausdauer als auch körperliche Kraft haben bei ihnen dank Tai-Chi spürbar zugenommen und waren größer als in der Gruppe ohne ein Bewegungstraining. Somit ist Tai-Chi gut dafür geeignet, der verbreiteten Muskelschwäche bei Parkinson entgegenzuwirken.
Tai-Chi kann Ihnen auch dabei helfen, dass Sie geringere Dosen an Levodopa, dem wichtigsten Parkinson-Medikament, brauchen. Denn laut der chinesischen Studie musste die tägliche Dosis an Levodopa im weiteren Verlauf in vielen Fällen nicht erhöht werden, anders als bei den Patient:innen ohne regelmäßiges Training. Dosisanpassungen sind in der Parkinson-Therapie nicht ungewöhnlich, da sich bei Levodopa mit der Zeit ein Gewöhnungseffekt einstellt und daher eine größere Menge des Parkinson-Medikaments benötigt wird, um die gleiche Wirkung zu erzielen.
Auch die Psyche profitiert von der sanften Bewegungsmeditation. Viele Parkinson-Patient:innen haben mit Angst, Schlafstörungen oder einer Depression zu kämpfen. Tai-Chi hat entspannungsfördernde, stimmungsaufhellende und angstlösende Effekte und kann Parkinson-Betroffenen so eine Quelle der Entspannung, der inneren Ruhe und größerer Zufriedenheit sein. Wer innerlich ruhiger und entspannter ist, findet oft auch leichter in den Schlaf. Viele erleben dank Tai-Chi eine neue Leichtigkeit und machen die Erfahrung, dass sie sich emotional gestärkt fühlen. So können sie ihrer Krankheit mit einer größeren Widerstandskraft begegnen.
Nicht zuletzt stärkt regelmäßiges Tai-Chi-Training auch das Selbstbewusstsein. So erfahren Sie im Idealfall eine Verbesserung, was ihre Bewegungen angeht und trauen sich mitunter auch wieder mehr zu. Möglich ist auch, dass Sie wieder stärker motiviert sind und wieder (mehr) am sozialen Leben teilnehmen. Dies ist gerade für Menschen wertvoll, die an einer Depression und der damit verbundenen gefühlten oder tatsächlichen Einsamkeit leiden.
In der chinesischen Studie, die 2023 veröffentlicht wurde, haben Forscher:innen festgestellt, dass sich die kognitiven Funktionen wie Gedächtnis und Konzentrationskraft bei den Parkinson-Patient:innen mit Tai-Chi-Training langsamer verschlechterten als bei den Betroffenen ohne Training. Demnach hat Tai-Chi hier offenbar eine ausbremsende Wirkung und kann dafür sorgen, dass Betroffene geistig nicht so schnell abbauen. Dass die kognitiven Funktionen sich weniger schnell verschlechterten, begründeten die Forscher:innen auch damit, dass sich bei vielen aus der Tai-Chi-Gruppe auch die Schlafqualität verbesserte. Denn wird ein chronischer Schlafmangel gelindert, können sich auch die kognitiven Fähigkeiten wieder verbessern.
Tai-Chi als Baustein in eine Therapie für Parkinson-Patient:innen zu integrieren, ist durchaus sinnvoll. Denn die fernöstliche Bewegungsform wirkt sich in verschiedenen Studien und Erfahrungsberichten positiv auf motorische und psychische Symptome sowie auf den Verlauf der Parkinson-Erkrankung aus.
Daneben ist Tai-Chi eine kostengünstige Art, sich als Parkinson-Betroffene:r selbst zu helfen. Sie können die chinesische Meditation in Bewegung in einem entsprechenden Verein praktizieren – ohne größere Investitionen vornehmen zu müssen. Wenn Sie die Grundlagen einmal verstanden haben, können Sie zu jeder Zeit und an jedem Ort trainieren – unabhängig von einem Lehrer oder einer Lehrerin. Und besonders wichtig für Parkinson-Patient:innen: Tai-Chi stärkt Körper und Psyche, ohne den Körper zu überfordern, wie es anstrengendere Sportarten wie Joggen mitunter tun können.
Beim Tai-Chi werden feste Bewegungsfolgen langsam, flüssig und fokussiert durchgeführt. Dabei wird der Körper vielfältig bewegt, gedreht und gedehnt, was gerade für Parkinson-Patient:innen wertvoll ist. Die Kombination aus sanften Bewegungen, mentaler Konzentration und tiefer, auf die Bewegungen abgestimmter Atmung bewirkt, dass sich Körper und Psyche harmonisieren. Mediziner:innen der TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) würden sagen, dass Tai-Chi dabei hilft, das “Qi”, also die Lebensenergie, frei fließen zu lassen.
Tai-Chi wirkt harmonisierend auf Körper, Geist und Seele Laut Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) können sogenannte Blockaden im Energiefluss eine Quelle für Erkrankungen, Schmerzen, Erschöpfung oder einem verminderten emotionalen Wohlbefinden sein. In diesem jahrtausendealten Verständnis durchziehen Meridiane (Energieleitbahnen) unseren Körper, ähnlich dem Netz aus Blutgefäßen, durch die die Lebensenergie fließt. Meditative Bewegungsformen wie Tai-Chi oder Qi-Gong können unseren Körper dabei unterstützen, unser seelisches und körperliches Gleichgewicht (wieder)herzustellen und so gesundheitliche Beschwerden zu lindern. Auch präventiv sind diese Bewegungsformen häufig gut wirksam und können eingesetzt werden, um gesundheitlichen Problemen vorzubeugen.
Laut Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) können sogenannte Blockaden im Energiefluss eine Quelle für Erkrankungen, Schmerzen, Erschöpfung oder einem verminderten emotionalen Wohlbefinden sein. In diesem jahrtausendealten Verständnis durchziehen Meridiane (Energieleitbahnen) unseren Körper, ähnlich dem Netz aus Blutgefäßen, durch die die Lebensenergie fließt. Meditative Bewegungsformen wie Tai-Chi oder Qi-Gong können unseren Körper dabei unterstützen, unser seelisches und körperliches Gleichgewicht (wieder)herzustellen und so gesundheitliche Beschwerden zu lindern. Auch präventiv sind diese Bewegungsformen häufig gut wirksam und können eingesetzt werden, um gesundheitlichen Problemen vorzubeugen.
Die Bewegungen sollen beim Tai-Chi möglichst präzise, aber dennoch möglichst natürlich und unangestrengt ausgeführt werden. Der Körper sollte dabei weder zu schlaff sein noch zu angestrengt gehalten werden. Es geht um das gerade richtige Maß an Anspannung, das für die Ausführung der langsamen Bewegungen erforderlich ist. Sie erfordern die volle Konzentration der Praktizierenden, die dennoch auch für Reize der Umwelt offen bleiben sollten. Mit den Bewegungsfolgen werden nicht nur viele Muskeln des Körpers angesprochen, sondern auch Organe, Gelenke, Sehnen sowie das Bindegewebe. Sie mobilisieren den ganzen Körper, weshalb sich auch so viele verschiedene Wirkungen zeigen können.
Manche Forscher:innen vermuten, dass die positive Wirkung von Tai-Chi bei Parkinson-Symptomen teilweise dadurch zustande kommen könnte, dass die Bewegungen so langsam erfolgen. Denn bei diesen sehr langsamen Bewegungen wird das Nervensystem auf eine andere Art gefordert als bei unseren normalen Alltagsbewegungen, die schneller sind.
Besonders wichtig beim Tai-Chi ist die tiefe Atmung, die nicht nur die uns vertraute Brustatmung, sondern auch die tiefere Bauchatmung mit einschließt. Lange Atemzüge, bei denen sich sowohl die Brust als auch der Bauch beim Einatmen anheben, sind ein zentrales Element der asiatischen Bewegungskünste. Die tiefe Atmung wird auf die Bewegungen abgestimmt, sie folgt ihnen. Dadurch wird nicht nur die Durchblutung angeregt, was unsere Zellen besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Auch trägt sie zu einem Gefühl tiefer Entspannung und eines effektiven Stressabbaus bei, indem sie das parasympathische Nervensystem aktiviert. Nebenbei führt sie auch zu einer sanften Massage unserer Bauchorgane, was etwa unseren Magen oder Darm in ihrer Funktion stärkt.