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Neben vielversprechenden neuen medikamentösen Therapien möchten wir Ihnen hier noch weitere Forschungsansätze der Gegenwart vorstellen. Wir begeben uns auf Spurensuche, wie eine Stammzellentherapie und Gentherapien aussehen könnten oder wie Patient:innen schon jetzt von einer neuen Ultraschallbehandlung profitieren. Diese potenziellen Behandlungsformen sind ein wichtiger Anker für Millionen Betroffene und Angehörige weltweit, die darauf hoffen, der Erkrankung in naher Zukunft effektiver begegnen zu können.
In der aktuellen Forschung tut sich vieles, um die neurodegenerative Erkrankung Parkinson vielleicht schon in naher Zukunft besser therapieren zu können. Forscher:innen verfolgen hier viele verschiedene Ansätze – auch was den Bereich der medikamentösen Therapie angeht. Es liegt durchaus im Bereich des Vorstellbaren, dass wenigstens eine dieser gerade erforschten Therapien umsetzbar sein wird.
Als ein Hoffnungsträger in der Therapie mit Medikamenten zeichnet sich immer mehr der Wirkstoff Lixisenatid ab. Dieser ist eigentlich zur Behandlung von Diabetes vom Typ 2 vorgesehen, zeigt aber in Studien auch Wirkung bei Parkinson-Betroffenen mit leichten bis mittelschweren Symptomen. Eine Studie aus dem April 2024 enthüllte unlängst, dass Lixisenatid den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflusst, die Krankheit also weniger schnell voranschreitet. Danach verschlechterten sich die Symptome der Patient:innen nach einem Jahr der Behandlung mit dem Medikament nicht weiter. Anders verhielt es sich in der Kontrollgruppe, die diesen Wirkstoff nicht bekommen hatten.
Allerdings war dieser Effekt leider nur sehr schwach ausgeprägt. Zudem litt ein Teil der Proband:innen an Nebenwirkungen – es stellten sich beispielsweise Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel ein. Doch Forscher:innen zeigen sich aber optimistisch, dass bei neueren Medikamenten dieser Art Nebenwirkungen möglicherweise aufgehoben werden könnten. Unklar ist den Forscher:innen bis jetzt noch, wie genau das Medikament bei Morbus Parkinson wirkt. Ihre Vermutung ist, dass die entzündungshemmende Wirkung des Medikaments hier eine wichtige Rolle spielt – entzündliche Prozesse im Gehirn könnten durch den Wirkstoff auf ein geringeres Niveau gebracht werden.
Eine ähnliche Wirkung wie das Lixisenatid soll auch noch ein weiteres Diabetes-Medikament haben: das Exenatid. Das gibt es seit 2007 auf dem Markt. Hier könnte die Wirkung darauf beruhen, dass der Wirkstoff den Transport von Zucker in die Nervenzellen durch das Insulin verbessert. Das bringt den Zellen mehr Energie ein und das Entzündungsgeschehen kann zurückgehen.
Bemerkenswert ist auch der Ansatz, die schädlichen Protein-Ablagerungen (Alpha-Synuclein-Verklumpungen) in den Dopamin-produzierenden Zellen zu zerstören. Dies könnte mit speziellen Antikörpern (Prasinezumab) gelingen, die über eine Spritze verabreicht werden. Denn diese Ablagerungen sind es ja, die zum Absterben der Nervenzellen bei Parkinson führen. Diese Option kann vor allem Patient:innen Anlass zur Hoffnung geben, die schon sehr jung erkranken und bei denen der Krankheitsverlauf sehr rasch voranschreitet.
Doch obwohl die bisherigen klinischen Studien noch nicht eindeutig aussagekräftig sind, ist Prof. Joseph Claßen von der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) und Direktor der Neurologie des Uniklinikums Leipzig optimistisch, was diesen Ansatz für eine künftige Therapie beim Parkinson-Syndrom angeht. Wird das Medikament frühzeitig eingesetzt, könnten die motorischen Symptome wie das Zittern oder die Muskelsteifigkeit möglicherweise weniger stark fortschreiten als ohne dieses Medikament – womöglich sogar auch auf längere Sicht.
Das Medikament soll praktisch die gesunden Nervenzellen in einem frühen Stadium davor schützen, die schädlichen Eiweißklumpen, die als eine mögliche Ursache der Erkrankung gelten, zu bilden und sie somit gesund erhalten. Die passgenauen Antikörper binden an die falsch gefalteten Alpha-Synuclein-Proteine und neutralisieren sie, wodurch sich deren Zahl reduzieren lässt. So können die Antikörper auch verhindern, dass die falsch gefalteten Proteine in Form von Verklumpungen von einer kranken Nervenzelle zu einer gesunden Nervenzelle wandern und dort dann die gesunden Zellen “anstecken” – ähnlich einem Virus. Auf diese Art könnte künftig womöglich das Voranschreiten der Erkrankung und eine Verschlechterung der Parkinson-Symptome unterbunden werden.
Doch die Parkinson-Forschung setzt aktuell nicht nur auf Medikamente, wenn es um die künftige Behandlung der Erkrankung geht. Daneben wird auch an anderen Therapien getüftelt, beispielsweise an geeigneten Gentherapien. Hier geht es etwa darum, problematische Genmutationen, die durch Vererbung weitergegeben werden und die eine Ursache von Parkinson sein können, bei Patient:innen so zu verändern, dass sich die Symptome möglichst abschwächen und sich im Verlauf nicht weiter verschlimmern. Bei anderen Therapien werden spezielle Gene verwendet, um positive Veränderungen im Gehirn zu bewirken.
Aktuell läuft eine Studie zur AB-1005-Gentherapie. Dabei wird ein spezielles Virus (AAV2) direkt in Dopamin-produzierende Nervenzellen im Gehirn injiziert. Das Virus dient als Transporter eines Gens (dem GDNF-Gen), das die Bildung eines bestimmten Proteins (GDNF) in den dopaminergen Zellen anregen soll.
Durch das in der von Parkinson beeinträchtigten Hirnregion ausgeschüttete Protein soll das Wachstum von Nervenzellen und auch ihr Überleben unterstützt werden. Zudem kann mit dieser Therapie dem krankheitsbedingten Mangel an Dopamin in den betroffenen Hirnregionen entgegengewirkt werden. In der Studie berichteten viele Patient:innen mit moderaten Beschwerden von einer Besserung ihrer Symptome. Sie konnten sogar ihre Dosis an Medikamenten wie Levodopa reduzieren. Die Langzeitstudie hierzu läuft aber noch.
Ebenfalls vielversprechend klingt der Ansatz, genetische Veränderungen, die bei einem gewissen Teil der Parkinson-Patient:innen eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen, zu korrigieren. Bei Parkinson können Veränderungen in mehreren Genen dazu führen, dass die Krankheit ausgelöst wird. Unter anderem betrifft das eine Veränderung des LRRK2-Gens. Dieser Gendefekt hat zur Folge, dass zellulärer Müll nicht mehr so gut abtransportiert wird, etwa die verklumpten, fehlgefalteten Alpha-Synucleid-Proteine in den Dopamin-bildenden Nervenzellen, die als eine mögliche Ursache für Parkinson betrachtet werden.
Ein entsprechendes Medikament, ein sogenannter LRRK2-Inhibitor, setzt genau hier an. Es korrigiert die durch das fehlerhafte Gen entstandenen fehlerhaften Abläufe in den Zellen. So kann es unserem Körper dabei helfen, die körpereigene “Müllabfuhr” wieder in Gang zu bringen. Allerdings besteht hier die Gefahr, dass bei zu hoher Dosis eine übertriebene Reinigung in den Zellen stattfindet, die wiederum gesunde Zellen schädigen könnte. Auch dieser mögliche Therapieansatz befindet sich aktuell noch in der klinischen Erforschung.
Gegenstand der Forschung sind derzeit auch Therapien mit RNA/DNA-Hybriden. Ein Ansatz des Forschers Prof. Harley vom Institute of Medical Research in Australien zielt beispielsweise darauf ab, mithilfe eines im Labor hergestellten Doppelstrangmoleküls aus RNA- und DNA-Ketten (RNA-, DNA-Hybride) auf den Spiegel des SRY-Proteins einzuwirken, das vom männlichen Geschlechtsgen SRY gebildet wird. Dieses Gen ist dafür verantwortlich, dass sich bei jungen Männern die männlichen Geschlechtsmerkmale ausprägen.
Studien haben ergeben, dass Männer ein höheres Risiko für Parkinson tragen als Frauen. Forscher:innen fanden heraus, dass Männer mit Parkinson in der Regel einen zu hohen Spiegel des SRY-Proteins haben. Dieser kann zum Zelltod der Dopamin-produzierenden Nervenzellen der schwarzen Substanz beitragen. Mit den erzeugten Hybriden ist es kürzlich im Tierversuch gelungen, den SRY-Spiegel bei männlichen Tieren zu senken und so die motorischen Symptome von Morbus Parkinson abzuschwächen. Bleibt abzuwarten, wie die Ergebnisse für Humanstudien ausfallen werden. Prof. Harley ist jedoch zuversichtlich, den Verlauf der Erkrankung damit künftig zum Stillstand bringen oder zumindest verlangsamen zu können.
Bei der sogenannten direkten In-situ-Umprogrammierung werden mithilfe der Gentechnik Zellen im Gehirn, die keine Nervenzellen sind, zu Dopamin-produzierenden Nervenzellen verändert. Forscher:innen ist es im Labor bereits gelungen, unter Zugabe bestimmter Gene aus sogenannten Gliazellen dopaminerge Nervenzellen herzustellen. Dieser vielversprechende Ansatz könnte möglicherweise eine Transplantation von gentechnisch veränderten Nervenzellen ersetzen. So könnte den in Studien beobachteten Abstoßungsreaktionen vorgebeugt werden.
Die Rolle des Darmmikrobioms Es gibt viele Forscher:innen, die die Ursache für Parkinson darin sehen, dass sich zunächst in den Nervenzellen von Magen und Darm die krankmachenden Proteinablagerungen bilden und dann über den Vagusnerv ins Gehirn gelangen. Dafür spricht der enge Zusammenhang zwischen einer gestörten Darmflora und Gehirnerkrankungen. Forscher:innen verfolgen aktuell Ansätze, die Darmflora von Patient:innen mithilfe von Probiotika, Ernährungsumstellungen oder einer Fäkaltransplantation (Transplantation von Stuhl eines Menschen mit gesunder Darmflora) zu optimieren und so die motorischen Symptome von Parkinson zu verbessern und den Krankheitsverlauf auszubremsen.
Es gibt viele Forscher:innen, die die Ursache für Parkinson darin sehen, dass sich zunächst in den Nervenzellen von Magen und Darm die krankmachenden Proteinablagerungen bilden und dann über den Vagusnerv ins Gehirn gelangen. Dafür spricht der enge Zusammenhang zwischen einer gestörten Darmflora und Gehirnerkrankungen. Forscher:innen verfolgen aktuell Ansätze, die Darmflora von Patient:innen mithilfe von Probiotika, Ernährungsumstellungen oder einer Fäkaltransplantation (Transplantation von Stuhl eines Menschen mit gesunder Darmflora) zu optimieren und so die motorischen Symptome von Parkinson zu verbessern und den Krankheitsverlauf auszubremsen.
Neue Hoffnung gibt ein weiterer vielversprechender Therapieansatz, der vor allem bei starken Gangstörungen, dem sogenannten Freezing, künftig gute Erfolge erzielen könnte. Unter Freezing versteht man Bewegungsblockaden, bei denen Parkinson-Patient:innen Probleme mit fließenden Bewegungen entwickeln. Menschen haben dabei das Gefühl, von jetzt auf gleich in der Bewegung einzufrieren, sie können zum Beispiel plötzlich nicht einmal mehr einen Fuß anheben.
Forscher:innen haben an einem 61-jährigen Mann mit starkem Freezing, der dadurch auch mehrmals täglich stürzte, kürzlich die sogenannte Epidurale Elektrische Stimulation (EES) getestet. Bei diesem Verfahren wird eine Neuroprothese in das Rückenmark implantiert. Mehrere Elektroden senden bei dieser Therapie elektrische Impulse an die dortigen Nervenfasern, wodurch bestimmte Muskeln sich stärker zusammenziehen. Die Folge: flüssigere Bewegungen. In Kombination mit Medikamenten und der Tiefen Hirnstimulation verbesserten sich die motorischen Störungen des Probanden erheblich, sie waren fast verschwunden. Auch die Häufigkeit von Stürzen verringerte sich deutlich. Daher gibt dieser Ansatz den Forschenden und auch den von Freezing-Betroffenen Anlass zur Hoffnung.
In der Schweiz wird an einem Ansatz gearbeitet, Parkinson mithilfe einer Impfung zu begegnen. Dabei sollen spezielle Antikörper in den Körper injiziert werden, um ihn dazu anzuregen, identische Antikörper zu bilden. Mit diesen Antikörpern sollen dann die krankmachenden Proteine bekämpft werden, die den Nervenzellen in der schwarzen Substanz (Substantia nigra) im Mittelhirn zu schaffen machen. Ist diese Therapie erfolgreich, könnte der Krankheitsverlauf von Parkinson ausgebremst werden. Die Forscher:innen müssen hier aber aktuell noch die Sicherheit der Impfung überprüfen. Denn es besteht noch ein gewisses Risiko, dass der Impfstoff auch gesunde Proteine in Mitleidenschaft ziehen könnte.
In der praktischen Anwendung befindet sich bereits ein weiteres interessantes und noch recht neues Verfahren, das inzwischen zur Parkinson-Therapie zugelassen ist: die “MRT-gestützte fokussierte Ultraschallbehandlung“ (MR-gFUS). Damit lässt sich vor allem ein ausgeprägter Tremor bei Parkinson gut behandeln. Diese Therapie wird derzeit deutschlandweit erst an wenigen Einrichtungen angeboten – eine davon ist das Universitätsklinikum in Kiel.
Dieses Verfahren funktioniert so: Der Patient oder die Patientin liegt für mehrere Stunden in einem Kernspintomografen. Die Ultraschallwellen werden nun ganz präzise auf die erkrankten Nervenzellen im Gehirn gerichtet, die den Tremor auslösen. Nur mithilfe der MRT-Bildgebung kann die zu behandelnde Stelle getroffen werden. Die Ultraschallwellen werden stark gebündelt und erreichen so eine Temperatur von etwa 60 Grad Celsius. Auf diese Art werden gezielt Läsionen (Verletzungen) gesetzt, was zum Untergang der erkrankten Zellen führt.
Diese Behandlung führte bereits bei vielen Patient:innen mit starkem Tremor zu einer Verbesserung ihrer Symptome. Nebenwirkungen wie Sprechstörungen oder Gehstörungen wurden zwar beobachtet, jedoch sollen sie eher selten auftreten und auch wieder abklingen. Vorteil dieser Behandlung: Es ist kein Eingriff am Gehirn nötig wie etwa bei der Tiefen Hirnstimulation (THS). Kritiker sehen die Schwächen dieses Verfahrens darin, dass hier nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch gesundes Gewebe vernichtet wird. In den neuen Leitlinien (2025) wird dieses Verfahren bislang nicht empfohlen, da es noch keine ausreichenden klinischen Untersuchungen dazu gibt. Jedoch konnten bereits mehrere Patient:innen mit starkem Tremor, die sich für dieses Verfahren entschieden haben, von einer positiven Wirkung profitieren.
In der neurologischen Forschung zur ursächlichen Therapie von Parkinson setzen einige Forscher:innen auf die Transplantation gesunder Nervenzellen ins Gehirn von Betroffenen, um erkrankte oder bereits abgestorbene Nervenzellen zu ersetzen. Diese gesunden Zellen werden aus menschlichen Stammzellen im Labor gezüchtet. Stammzellen sind Zellen, aus denen sich im Körper die verschiedensten spezialisierten Zellen entwickeln können. Im Labor können unter spezieller chemischer Einflussnahme zum Beispiel Dopamin-produzierende Nervenzellen hergestellt werden.
Sind diese gesunden Nervenzellen einmal erzeugt, sollen sie direkt ins Gehirn implantiert werden, wo sie die abgestorbenen Nervenzellen von Parkinson-Patient:innen ersetzen, ausreifen und mit der Zeit in Kommunikation mit anderen Nervenzellen treten sollen. Auf natürliche Weise nachwachsen können Nervenzellen leider nicht.
In der Parkinson-Forschung existieren aktuell verschiedene Ansätze, wie die Nervenzellen am besten gewonnen werden können. Einige Forscher:innen stellen sie zum Beispiel aus den Haut- oder Blutzellen des Patienten oder der Patientin her, die sie zu Stammzellen (induzierte pluripotente Stammzellen) zurück züchten, also praktisch reprogrammieren. Eine dänische Forschungsgruppe hingegen verwendet dafür körperfremde, sehr frühe embryonale Stammzellen, die sich laut Forschenden als aussichtsreicher erwiesen haben, mit denen aber etwa in Deutschland aus ethischen Gründen nicht gearbeitet werden darf.
Der Forschungsansatz der Transplantation von Nervenzellen aus embryonalen Stammzellen wurde bereits Ende des 20. Jahrhunderts an Parkinson-Erkrankten ausprobiert. Die Ergebnisse waren sowohl positiv als auch negativ. Manche erlebten eine deutliche Linderung ihrer Beschwerden für mehrere Jahre, bei anderen verschlechterten sich die motorischen Symptome oder es kam zu Unverträglichkeitsreaktionen. Daher wurden Studien an Menschen daraufhin zunächst nicht mehr durchgeführt. Es bleibt abzuwarten, als wie verträglich sich die Stammzellentherapien der jüngeren Zeit erweisen werden – Anlass zur Hoffnung bieten sie Betroffenen allemal.