Hilfsmittel fürs Kochen, Essen und Trinken bei Parkinson

Selbstständig Kochen, Essen und Trinken ist bei der neurodegenerativen Parkinson-Krankheit nicht immer leicht. Insbesondere der Tremor, also das Zittern der Hände, verlangsamte Bewegungen (Bradykinese), Muskelsteifigkeit (Rigor) ein unsicherer Griff, Haltungsinstabilität oder Schluckstörungen können Schwierigkeiten bei der Zubereitung von Speisen, beim genussvollen Verzehren der Mahlzeiten oder beim Trinken bereiten. Zum Glück gibt es viele nützliche Hilfsmittel, die Parkinson-Patient-innen das tägliche Leben trotz der Widrigkeiten erleichtern und Genussfreuden ohne lästige Kleckereien ermöglichen.
Erfahren Sie hier alles über die vielen Alltagshelfer rund um die Küche – damit Sie wieder Freude am Kochen, Essen und Trinken – auch in Gesellschaft – haben.
Mit Hilfsmitteln die Selbstständigkeit trotz Parkinson erhalten
Mit dem Auftreten der typischen motorischen Parkinson-Symptome wie Tremor, Rigor, Bradykinese oder auch Schluckstörungen verändert sich das Leben und der Alltag. Wenn der Körper einfach nicht mehr so funktioniert, wie er eigentlich soll, müssen Betroffene über den Umgang und Ihr künftiges Leben mit Parkinson nachdenken. Als wohl wichtigster Wunsch steht der Erhalt der Selbstständigkeit ganz oben auf der Liste. Schließlich soll das Leben auch mit Parkinson weiterhin Freude bereiten. Versuchen Sie daher, Ihr Leben so lange in der Form zu gestalten, wie es Ihren Wünschen entspricht. Und passen Sie es immer an neue Herausforderungen an, die mit Parkinson einhergehen können.
Nicht die Diagnose ist allein für die Lebensqualität entscheidend, sondern auch der Umgang und die Umsetzung neuer Ziele. Parkinson bedeutet immer auch neues Lernen und Üben. Wenn Sie zum Beispiel schon immer gerne für Freund:innen oder die Familie gekocht haben und es lieben, in der Gesellschaft leckeres Essen zu genießen, behalten Sie diese Leidenschaft möglichst auch in Zukunft bei. Dafür gibt es so viele nützliche Hilfsmittel – nicht nur rund um die Küche. Vermeidungsstrategien und ein sozialer Rückzug aus Scham sind in jedem Fall keine guten Lösungen und nehmen Ihnen die Lebensfreude.
Selbstständiges Leben dank Therapien und Hilfsmitteln möglich
Dank der typischen Parkinson-Medikamente (Levodopa, Dopaminagonisten, MAO-Hemmer oder COMT-Hemmer) und Therapie-Verfahren (Tiefe Hirnstimulation, Parkinson-Pumpen) können Parkinson-Patient:innen länger selbstständig für sich zu sorgen und Aufgaben im Haushalt übernehmen. Damit ein selbstständiges Leben rund ums Essen und Trinken mit Parkinson gelingt, stellen wir Ihnen außerdem die besten Hilfsmittel und Tipps vor – damit Hilflosigkeit die kulinarischen Genussfreuden nicht überlagern kann.
Gut zu wissen: Wenn es um die Nahrungsaufnahme oder auch um die Körperpflege geht, sollten Menschen mit Parkinson diese Alltagsaktivitäten möglichst lange selbst ausführen und Hilfe von Angehörigen dankend ablehnen. Denn so trainieren sie gleichzeitig diese für die Selbstständigkeit wichtigen Aufgaben im Haushalt.
Diese Hilfsmittel erleichtern das Essen und Trinken
Wenn die Hände ständig zittern, werden alltägliche Aufgaben wie Kochen, Essen und Trinken schnell zu einer Herausforderung. Doch welche Utensilien sollten in Ihrem Haushalt und in einer gut sortierten Küche nicht fehlen? Als besonders hilfreich haben sich zum Beispiel sogenannte Anti-Rutsch-Matten herausgestellt, die es in unterschiedlichen Größen und Formen gibt. Damit können Teller, Gläser und Co. fest auf glatten Oberflächen fixiert werden, sodass beim Essen nichts mehr verrutschen kann. Aber es gibt noch viele weitere Helferlein. Welche? Das erfahren Sie im Folgenden.
Becher und Tassen für selbstständiges Trinken
Trinkgenuss trotz Parkinson: Nicht nur die zitternden Hände und andere motorische Symptome bei Parkinson können Probleme beim Trinken bereiten, es sind auch die Schluckbeschwerden, die häufig mit der Erkrankung einhergehen. Wenn Patient:innen etwas aus einem Glas, Becher oder einer Tasse trinken, müssen sie durch die erhöhte Aspirationsgefahr besonders aufpassen, dass beim Schlucken keine Flüssigkeit in die Atemwege und Lunge gelangt. Und damit das nicht passiert, sollte der Kopf beim Trinken nicht überstreckt werden. Bei Schwierigkeiten mit der Koordination können spezielle Trinkhilfen zum Einsatz kommen:
- Trinkaufsätze und Deckel verschließen den Trinkbecher und schützen vor dem Verschütten des Inhaltes.
- Nasenausschnittbecher verhindern ein Überstrecken des Kopfes beim Trinken und minimieren die Aspirationsgefahr.
- Ergonomisch geformte Spezialgriffe an Bechern und Trinkgefäßen sorgen für ein sicheres Halten des Trinkgefäßes (auch bei einem stärkeren Tremor).
- Thermobecher, die Getränke warmhalten.
“Problemfall” Schnabeltasse
Typische Schnabeltassen sind nicht so harmlos, wie sie aussehen. Das Trinken daraus ist zunächst nicht nur ungewohnt, es kann auch gefährlich sein, wenn zum Beispiel heiße Getränke enthalten sind und die Gefahr besteht, sich zu verbrühen. Zudem werden Schnabeltassen (wie auch anderes Pflegegeschirr) oft als stigmatisierend empfunden, weil sie sich stark von “normalen” Trinkgefäßen unterscheiden. Das wiederum birgt die Gefahr, dass Betroffene zu wenig trinken.
Zum Glück gibt es inzwischen intelligente Hilfsmittel in schlichtem Design und mit versteckten Funktionen, die dem selbstständigen Trinkgenuss trotz Parkinson nicht im Wege stehen.
Messer, Löffel, Gabel – Besteck für sicheren Halt
Es gibt Bestecke mit speziellen Griffen, die extra auf die Bedürfnisse von Parkinson-Patient:innen abgestimmt sind. Sie reduzieren das Verschütten von Nahrungsmitteln und fördern selbstständiges Essen bei Tremor. Dazu gehören zum Beispiel:
- Verstärkte Griffe: Spezielle Messer, Gabeln und Löffel mit verstärkten Griffen erleichtern nicht nur den genussvollen Verzehr von Speisen, sondern auch das Arbeiten in der Küche.
- Formbare Griffe: Spezielles Besteck mit formbaren Griffen, die individuell an die Bedürfnisse angepasst werden können.
- Abgewinkelte (breite) Griffe eignen sich besonders gut für Töpfe und Pfannen.
- Speziell geformte Tremor- oder Parkinson-Löffel sorgen mit einem ergonomischen Design und speziellen Aufsätzen dafür, dass Suppen und Soßen ganz ohne lästiges Kleckern den Weg in den Mund finden. Die Löffel passen sich an die Bewegungen der Benutzer:innen an.
- Spezielle Messer wie z. B. Brotmesser mit gewinkeltem Griff, Tranchiermesser, die gut in der Hand liegen oder Schälmesser, die mit zwei Klingen versehen sind und mit Saugnäpfen am Tisch befestigt werden können.
Bei Messer, Löffel und Gabel kommt es in erster Linie auf spezielle Griffe an, die besonders groß und griffig sind, sehr leicht oder beschwert sind, mit gebogenen Stoffhüllen aus Schaumstoff versehen sind, die über normale Besteckgriffe gestülpt werden können, damit sie besseren Halt bieten.
Innovative Essbestecke mit Bewegungssensoren
Etwas hochpreisiger sind selbst stabilisierende, elektronische Essbestecke mit Bewegungssensoren, die sich besonders für Menschen mit Parkinson oder essentiellem Tremor eignen. Die intelligente Technik des Essbestecks ermöglicht es, aufgrund kleiner Gegenbewegungen das Zittern automatisch auszugleichen. So fällt das Essen nicht mehr so schnell vom Löffel oder der Gabel hinunter.
Teller, Schälchen und Bretter – Stabilität rund ums Geschirr
Spezielle Ess-Hilfen mit intelligenten Tricks und versteckten Hilfsfunktionen fördern selbstständiges Essen bei motorischen Beeinträchtigungen und stärken die Eigenständigkeit. Rund um das Geschirr gibt es zum Beispiel folgende nützliche Hilfsmittel:
- Saugnäpfe für Teller, Bretter und anderes Geschirr sorgen für festen Halt auf dem Tisch.
- Erhöhte Ränder an Tellern lassen die Mahlzeiten nicht vom Tellerrand rutschen. Auch können die Nahrungsmittel an den Rand geschoben werden, um diese besser auf die Gabel oder den Löffel zu befördern.
- Teller mit Saucenschräge: Diese Teller verfügen über eine leichte Schräglage bzw. Ausbuchtung, in der sich Saucen sammeln und dann leichter vom Löffel aufgenommen werden können.
- Unzerbrechliche Teller (Geschirr) sind außerdem praktisch, denn sie gehen nicht sofort kaputt, sollten sie doch einmal herunterfallen.
- Spezielle Isolierteller halten das Essen schön warm.
- Spezielle Essbrettchen sind eine hilfreiche Zubereitungshilfe, wenn es darum geht, selbstständig Brote zuzubereiten. Sie haben in der Regel einen erhöhten Rand, damit die Brote auf dem Brett bleiben und Anti-Rutsch-Noppen, die ein Verrutschen verhindern.
Einhandteller für einfaches Schneiden von Mahlzeiten
Sie sehen zunächst aus wie ganz normale Teller. Beim genaueren Hinsehen kann man jedoch kleine, spitze, zylinderförmige Erhöhungen entdecken, die verschiedene Speisen fixieren können. So kann beim Schneiden von Fleisch, Fisch oder Gemüse und Obst nichts mehr auf dem Teller verrutschen. Auch Brotscheiben finden auf dem Einhandteller festen Halt und können entspannt mit leckeren Dingen versehen werden.
Welche nützlichen Hilfsmittel gibt es noch für die Küche?
Anti-Rutsch-Unterlagen für den Tisch, Anti-Rutsch-Bänder für dauerhafte Befestigungen an Griffen oder Anti-Rutsch-Noppen, die unter Essgeschirr angebracht werden, sorgen für einen festen Halt nicht nur für jede Form von Küchenutensilien, sondern eigentlich für alle Dinge, die nicht verrutschen sollen. Es gibt noch so viele weitere nützliche Hilfsmittel, die in keiner Küche fehlen sollten. Dazu gehören auch:
- Spezielle Verschlussöffner (Glas- und Flaschenöffner aus rutschfestem Material) helfen dabei, Schraubverschlüsse, Korken, Gläser mit Deckeln, Arzneimittelfläschchen und Co. leichter zu öffnen. Auch Wasserhähne und Getränkeflaschen können ohne Probleme auf- und zugedreht werden.
- Spezielle Kessel (Kesselkipper) können kochendes Wasser aus dem Kessel befördern, ohne dass der Kessel angehoben werden muss. Das verringert das Risiko von Verschütten und Verbrennungen.
- Automatische Wasserspender ermöglichen das Befüllen einer Tasse oder eines Bechers auch mit einer vorbestimmten (kleinen) Menge kochendem Wasser – ganz ohne Wasserkocher oder Topf. Es gibt auch eingebaute Heißwasserhähne, die größere Mengen kochendes Wassers ohne Nachfüllen bieten. Diese sind jedoch kostspieliger und müssen professionell installiert werden.
- Allzweckscheren sind mit robusten, starken Klingen versehen und sind in der Küche (und auch woanders) vielfältig einsetzbar. In der Küche eignet sich die Schere, um Geflügel, Fisch oder auch Fleisch zu zerteilen. Auch Nüsse lassen sich damit aufknacken.
Freude am kulinarischen Genuss erleben
Hilfsmittel für die Küche sollen Menschen mit Parkinson mehr Sicherheit beim Essen oder bei der Zubereitung von Speisen und Getränken geben. Sie müssen sich keine Sorgen mehr machen, dass etwas herunterfällt oder dass sie beim Essen kleckern. Sie können dank verschiedener Hilfsmittel selbstständig in der Küche agieren und leckere Speisen für sich oder ihre Liebsten oder für Freund:innen und Bekannte zubereiten. Dank verschiedener Alltagshilfen rund um das Essen, können Sie wieder Freude am kulinarischen Genuss empfinden und so die Lebensqualität enorm steigern.
Möchten Sie mehr über die vielfältige Welt der Hilfsmittel bei Parkinson erfahren? In unserem Übersichtsartikel “Hilfsmittel für den Alltag” oder in unseren Beiträgen “Hilfsmittel für das Gehen” und “Sicher und selbstständig Wohnen mit Parkinson” bekommen Sie umfangreiche Informationen.

