Parkinson: Singen als begleitende Therapie

Das gemeinsame Singen zur Therapie von Parkinson einzusetzen, ist ein zunehmend beliebter Ansatz – auch hierzulande. In einigen Ländern wie England oder Irland gibt es bereits über das Land verteilt Standorte, an denen Betroffene zusammenkommen und im Chor miteinander singen. Dabei geht es nicht um Perfektion, sondern um das Singen an sich. Die positiven Effekte sind verblüffend – sowohl diejenigen, die von Teilnehmenden erwähnt werden als auch jene, die sich aus ersten Studien ergeben: Gemeinsames Singen hat das Potenzial, vor allem sprachliche Symptome der Erkrankung zu lindern, darunter eine unverständliche Aussprache, zu leises oder monotones Sprechen.

Lesen Sie mehr über die wohltuenden Wirkungen des regelmäßigen Singens mit anderen an chronisch erkrankten Menschen. Musik hat die Kraft, Ihrer Stimme wieder mehr Stärke zu verleihen und mehr Freude sowie Optimismus in Ihr Leben einziehen zu lassen.

Welche Sprechstörungen kommen bei Parkinson vor?

Patient:innen haben im Verlauf der Parkinson-Krankheit verstärkt mit Problemen beim Sprechen zu kämpfen. Diese vermindern die Lebensqualität der Erkrankten und sorgen nicht selten für depressive Verstimmungen. Oft sind sie mitverantwortlich dafür, dass Betroffene sich aus Scham und Angst aus dem sozialen Leben zurückziehen und unter Einsamkeit leiden. Folgende Sprechstörungen stellen häufig ein Problem für Morbus Parkinson-Patient:innen dar:

  • Die Stimme ist zu leise und wird von anderen nicht gut verstanden.
  • Es gibt Probleme mit einer deutlichen Aussprache, z. B. weil die Laute aufgrund der motorischen Einschränkungen nicht richtig gebildet werden können.
  • Die Stimme ist heiser oder kann sich wie ein Knarren anhören.
  • Es fehlt oft eine abwechslungsreiche Sprechmelodie, wodurch die Stimme als monoton wahrgenommen wird.
  • Oft ist das Sprechtempo zu langsam oder zu schnell.
  • Die Stimmlage kann sich nach oben verschieben, was eine hohe Stimme mit sich bringt.
  • Ein Zittern der Stimme ist möglich.
  • Betroffene können Probleme mit dem Sprechfluss haben und beim Reden stottern.

Wie wirkt sich Singen auf die Symptome von Parkinson aus?

Erste Studien weisen darauf hin, dass Singen sich positiv auf die Parkinson-Symptome auswirken kann – vor allem auf die sprachlichen Probleme. So hat eine Studie des Queensland Conservatorium Research Centre der Griffith University in Australien an 70 Personen ergeben, dass das gemeinsame Singen (ein- oder zweimal pro Woche für eine Stunde) deutliche Vorteile mit sich bringt. Neben einer besseren Lungenfunktion wurden hier etwa positive Effekte auf die motorischen Probleme wie Gangunsicherheiten und auch auf die Stimmung der Parkinson-Betroffenen beobachtet.

Singen unterstützt eine gut verständliche Sprache bei Parkinson

Da Sie beim Singen tiefer einatmen und Ihre Stimme beim Ausatmen die ganze Zeit Töne halten muss, wird dabei sowohl die Atemmuskulatur als auch die Stimme trainiert und gekräftigt. Damit fällt es Ihnen möglicherweise leichter, beim Sprechen eine angemessene Lautstärke zu erreichen. Da beim Singen auch viel Wert auf eine deutliche Aussprache der Wörter gelegt wird, trainieren Sie sich auch in diesem Bereich: Singen trainiert alle Muskeln, die zum Sprechen erforderlich sind, sodass es Ihnen dabei helfen kann, die Laute verständlicher zu formen und sich somit besser zu artikulieren. Dadurch wird es für Sie unter Umständen auch wieder leichter, sich mit anderen Menschen zu verständigen, was Sie möglicherweise darin bestärkt, sich wieder gern regelmäßig in Gesellschaft zu begeben.

Singen für zu Hause: Lieder an individuelle Bedürfnisse anpassen

Nicht immer muss es das Singen im Chor sein: Sie können auch zu Hause für sich selbst oder mit Ihren Lieben zusammen singen. Dies kann gerade am Anfang eine große Hilfe sein, wenn Sie sich aufgrund der beeinträchtigten Stimme noch unsicher fühlen. Dazu brauchen Sie nur einen Browser, den Sie mit einem sogenannten Transpose-Plugin aufrüsten. Damit lässt sich dann die Tonhöhe und Wiedergabegeschwindigkeit des gewünschten Online-Musikvideos verändern, was Ihnen das Singen entsprechend Ihrer individuellen Bedürfnisse erlaubt.

Singen fördert Sprechmelodie und Sprachdynamik bei Parkinson

In Studien hat sich weiterhin gezeigt, dass sich durch regelmäßiges Singen eine schnellere Sprechgeschwindigkeit erzielen lässt. Menschen mit Parkinson haben häufig das Problem, dass sie verlangsamt sprechen. Weil Sänger und Sängerinnen beim Singen dem Rhythmus der Musik folgen, können sie lernen, eine höhere Sprechgeschwindigkeit anzunehmen.

Das Singen kann gleichzeitig auch dem monotonen Sprechen entgegenwirken, das Morbus Parkinson-Patient:innen ebenfalls oft zu schaffen macht. So ist es für die Kommunikationspartner von Betroffenen zum Beispiel nicht so leicht, eine Aussage von einer Frage zu unterscheiden, weil sie beide gleich gesprochen werden. Beim Singen nun üben Sie sich aber in verschiedenen Tonhöhen und auch im Wechsel von unterschiedlichen Stimmlagen. Dadurch verbessern sich Ihre Chancen, dass Ihre Stimme wieder eine größere Lebendigkeit erlangt.

Singen fördert eine aufrechtere Haltung bei Parkinson

Da beim Singen viel Luft benötigt wird und die Sänger:innen im Laufe eines Liedes immer wieder tief einatmen müssen, um möglichst viele Töne und Worte mit einem Atemzug zu bilden, wird dabei auch eine aufrechte Haltung gefördert. Menschen mit Parkinson nehmen im Verlauf der Erkrankung zunehmend eine nach vorn gebeugte Körperhaltung an. Wird aber regelmäßig im Chor miteinander gesungen, können Betroffene aktiv etwas gegen diese Fehlhaltung unternehmen.

Singen kann das emotionale Wohlbefinden bei Parkinson verbessern

Dass gemeinsames Singen in der Gruppe uns entspannt und fröhlich macht, kennen viele von uns aus eigener Erfahrung, sei es beim weihnachtlichen Singen im Kreis der Familie oder beim heimlichen Singen unter der Dusche – singen tut uns einfach gut. Und das Gleiche gilt in Bezug auf das Singen bei Parkinson. Betroffene, die frei von Leistungsdruck regelmäßig singen, berichten, dass sich ihre Lebensqualität nachhaltig verbessert hat. Manchen Menschen hilft das Singen laut einer Studie dabei, weniger ängstlich zu sein und vor anderen gelassener mit der eigenen Krankheit umzugehen.

Einer der Gründe, warum uns Singen guttut, ist, dass dabei vermehrt Glückshormone wie Serotonin, Dopamin oder das Hormon Oxytocin ausgeschüttet werden. Oxytocin wird auch als “Kuschelhormon” bezeichnet, das wir verstärkt bei engem Körperkontakt (z. B. beim Umarmen) freisetzen. Es entspannt uns und lindert im Gegenzug Gefühle von Angst und Stress. Das Zusammenkommen zum gemeinsamen Singen, etwa in einer Gruppe für Parkinson-Erkrankte, hat weiterhin den Vorteil, dass sich Betroffene hier auch mit anderen Betroffenen austauschen können, was dazu beiträgt, das persönliche Wohlbefinden zu verbessern und besser mit der Erkrankung zurechtzukommen.

Denn häufig werden hier – ähnlich wie in entsprechenden Selbsthilfegruppen – Kontakte zu anderen Betroffenen geknüpft. Dies kann Menschen mit Parkinson dabei helfen, sich weniger einsam oder deprimiert zu fühlen. Somit hat das gemeinsame Singen auch das Potenzial, den verbreiteten psychischen Folgen der Erkrankung wie dem sozialen Rückzug und dem Abgleiten in die Einsamkeit oder Depression entgegenzuwirken und Patient:innen mental und emotional zu stärken.

Musiktherapie: Mit Tanzen, Musikhören oder Instrumentieren gegen Parkinson

Musik erzielt nicht nur in Form von Singen positive Effekte auf viele Symptome von Parkinson. Auch das schlichte Hören von vor allem sehr rhythmischer Musik (z. B. Marsch-Musik), das Tanzen nach Musik oder das Spielen eines Instruments (z. B. Gitarre oder Klavier) können bestimmte Parkinson-Probleme wie Gangstörungen, Freezing (spontanen Bewegungsblockaden) oder Bradykinese (Bewegungsverlangsamung) und Muskelsteifigkeit (Rigor) positiv beeinflussen. Daher wird Musiktherapie auch schon in vielen spezialisierten Parkinson-Kliniken als ein Baustein der Therapie (neben Physiotherapie oder Ergotherapie) angeboten.